• Julia Elmer

Wer fühlen will, muss hören können?

"Wer nicht hören will, muss fühlen", sagt das alte Sprichwort - doch geht es tatsächlich viel häufiger darum, dass das Gehörte nicht optimal verarbeitet wird. Zugegebenermassen gibt es auch Dinge, die Kinder nicht hören wollen, wie beispielsweise "Räum bitte Dein Zimmer auf", "Hilf bitte beim Tischdecken" etc.

Neben diesem bewussten Ausblenden sind viele Kinder schlicht nicht in der Lage, Störgeräusche zu filtern um mühelos der Stimme des Lehrers folgen zu können. Ist die Hörverarbeitung unausgewogen, werden also z.B. tiefe Töne stärker wahrgenommen als hohe, bedeutet eine Unterrichtsstunde lang aufmerksam zu bleiben eine enorme Anstrengung für einen Schüler.

Kinder, die hier sehr gefordert sind, schweifen gerne mit den Gedanken ab oder fallen durch störendes Verhalten und Unruhe auf. Auch bei Kindern, die unangemessen in Gruppen reagieren, kann die Ursache in der Hörverarbeitung liegen: um uns in Gruppen angemessen zu verhalten zu können, müssen wir es in der Lage sein, Stimmungen und feine Nuancen bei anderen zu erkennen. Ist der Mitschüler gerade vergnügt oder ängstlich? Die Lehrerin freundlich oder ungeduldig? Nur wer das erkennt, kann angemessen reagieren. Vorraussetzung dafür ist wiederum eine optimale Hörverarbeitung.

Nicht nur für Gruppensituationen ist die Hörverarbeitung zentral, sondern auch fürs Lesen und Schreiben: Nur wer in der Lage ist, die einzelnen Sprachlaute beim Hören von Sprache gut zu erkennen und voneinander zu unterscheiden, kann mühelos Lesen und Schreiben. Kann ein Kind ähnliche Buchstaben nicht voneinander unterscheiden, macht es viele Rechtschreibfehler und kann häufig den Sinn vom Gelesenem nicht erfassen. Häufig kommt es zu Diagnosen wie Legasthenie und LRS.


Eine Überprüfung der Hörverarbeitung ist somit bei Schulproblemen von Konzentrations-schwierigkeiten über Lese- und Schreibschwierigkeiten bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten absolut empfehlenswert.


Die gute Nachricht: die Hörverarbeitung finden im Gehirn statt und unser Gehirn bleibt bis ins hohe Alter lernfähig. Mit einem einfachen Hörtraining könne mittels individueller Trainingsmusik spürbare und messbare Fortschritte erzielt werden.


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